life post-partum . . .

Nun sitze ich hier vor meinem Laptop und das Kind schläft selig im Familienbett, ich habe mir 2 Brote schmieren können, eine schwarzen Tee mit Milch gekocht, habe Blaubeeren und eine Banane hier liegen. Ich habe gestern geduscht, Haare gewaschen und habe was „normales“ an (also kein Gammel Look mit Jogging Hose und großem Pulli). Und das Tollste, ich kann die meisten Nächte einige Stunden Schlaf ergattern. Ich bin ansatzweise wieder die Person, die ich vor der Geburt des Kindes mal war. What a feeling!

Der Grund warum mich das so freut ist folgender: Ab dem ersten zaghaften, aber so was von lebensbejahenden Schrei meines Sohnes, brach eine Welle über mich herein. Eine Welle des Glücks, ohne Zweifel, aber auch eine Welle der Unsicherheit und des Unwissens. Kennt ihr das, wenn euch eine Welle so richtig mit voller Wucht erwischt? Man von dieser Urgewalt des Wassers rumgewirbelt wird und man nicht mehr weiß wo oben und unten ist? Ich war gar nicht richtig bei mir, fast schon gelähmt von diesem beeindruckenden Ereignis. Ich war so unvorbereitet. Sicherlich ist es auch der fast-Präeklampsie geschuldet, die zwei Monate vor der Geburt auftauchte. Ich hatte schlimme Wassereinlagerungen und dann auch noch hohen Blutdruck. Von meinem Wunsch-Geburtsort, dem Geburtshaus, musste ich mich also verabschieden. Und ich musste regelmäßig zu Kontrollen und oftmals wurde ich dann ins Krankenhaus geschickt zur Überwachung. Ich konnte dann immer nach paar Tagen wieder gehen, weil sich kein Protein im Urin finden ließ. Ein Glück, aber auch ziemlich anstrengend, nicht zu wissen, was jetzt hier eigentlich los ist – man bleibt ja auch oft so unaufgeklärt bei Ärzten und weiß auch nicht immer welche Fragen man stellen muss. Letztendlich klappte die geplante Einleitung einen Tag vor dem Entbindungstermin nicht, weil sich die Herztöne des Babys verschlechterten, mein Blutdruck über 180 stieg und die Ärzte dann ohne große Vorwarnung in ihrer grünen OP Kluft vor mir standen und die Risiken des Kaiserschnitts runter ratterten, alle nur noch auf meine Unterschrift wartend.

Ende gut, alles gut?

Ja, das Ende der Schwangerschaft war in der Hinsicht gut, weil mein Kind gesund auf die Welt kam und sich in den Armen seiner schwer verliebten Eltern befand. Für mich war es aber ein Anfang, ein Anfang den ich in voller Dunkelheit bestritt. Es fing damit an, dass ich mich nicht ansatzweise richtig bewegen konnte nach der OP. Ich weiß das klingt logisch, dass man sich nicht bewegen kann, wenn man im Prinzip fast in zwei geteilt wurde. Aber die anderen Mamis auf der Station schlurften langsam, aber immerhin in Jeans zur U2 den Flur entlang – ich war immer noch (!!) in meinem OP Kleid, weil ich keine Kraft fand es auszuziehen. Die Schwester war am nächsten Morgen nach dem Kaiserschnitt im Zimmer und wollte, dass ich zum ersten Mal aufstehe. Hätte es nicht so weh getan, hätte ich laut gelacht. Ich konnte mir nicht ansatzweise vorstellen auf-zu-stehen !! Aber sie meinte es ernst. Die heftige Dosis Oxytocin und das unbekannte Gefühl, des nicht-schlafen-könnens, erschwerten mir einen klaren Kopf zu behalten. Ich sollte immer ins Stillzimmer kommen, zum abpumpen, da mein kleiner Mann einfach nicht an der Brust trinken wollte. Aber ich war so müde und begriff noch nicht, warum es so essentiell gewesen wäre, die Milchproduktion anzuregen. Der finale Gong kam, als das Baby ein Fläschen erhielt. Fail.

Naja, das Stillen klappte dann nach einer Zeit, aber nur mit Stillhütchen (dieses Thema werde ich wohl in einem separaten Beitrag schildern müssen, zu emotional) und wir wurden dann auch nach einer halben Woche aus dem Krankenhaus entlassen und sind nach Hause. Es warteten auf uns eine sehr uneingerichtete Wohnung (Umzug lag 2 Monate zurück, mit Bauch schafft man einfach Null), ein sehr eifersüchtiger Hund (auch ein separater Beitrag notwendig, noch emotionaler) und Besuch, der lieb gemeint war, aber den Neugeborenen-Kodex nicht beachtete: komme leise, bringe essbares mit, helfe im Haushalt und kuschele nicht mit Baby während die Eltern gastfreundlich zu sein versuchen.

Ich trug mein Baby die ganze Zeit, aber nicht im Tragetuch, ich war einfach zu amateurhaft was das betraf – ich fand erst 2-3 Monate später heraus wie das mit dem Tuch ging und bis dahin, war dieses süße Knäuel immer auf meinem Arm, zum schlafen, zum stillen, zum gucken. Ich duschte also nicht mehr, aß nicht mehr, schrieb Dankeskarten mit der linken Hand (sah auch aus als hätte es ein 5 jähriger geschrieben) und war eine komplett andere Steffi. Eben nicht autark. Jetzt fragt sich mancher vielleicht, wo war der Papa, der kann ja auch einiges machen und abnehmen. Das stimmt, aber der wurde leider 2 Wochen nach der Entbindung krank und lag auch einige Zeit flach. Dazu kam, dass, wenn das Baby auf meinem Arm einschlief, wir nicht das Risiko des Wachwerdens eingehen wollten, wenn wir es umgelegt hätten auf seinen Arm (ich sag ja, Amateure) und einer musste auch mit dem Hund raus und einkaufen/aufräumen. Es vergingen Wochen und irgendwie kam bei mir nie dieser langweilige Babyalltag, wo einem die Decke auf den Kopf fällt auf oder man um 11 Uhr denkt „oh ne, erst 11 Uhr, was mache ich bloß noch den ganzen Tag“. Ich war in meiner Höhle und war froh, wenn ich nichts machen musste, außer zu überleben. Selbst ein 2 stündiger Besuch einer Freundin, wo wir raus gingen zum spazieren, stresste mich. Ich war so unsicher wegen des Stillens mit Hütchen in der Öffentlichkeit und dachte immer, was mache ich bloß, wenn das Baby schreit und ich es nicht beruhigen kann. Und nicht nur das, ich war richtig angestrengt nach so einem Besuch. Unsere unfertige Wohnung, die Stillproblematik und auch die Belastung der Beziehung drückte alles schwer aufs Gemüt. Ich hatte keine Resilienz, keine Kraft, keine Kapazitäten mehr. Und es dauerte wirklich lange, bis ich nach und nach mehr Energie aufbaute. Es hat fast 2 Jahre dauerte, bis ich wieder zu mir zurück kam. Bis ich mich Themen (die nicht mit dem Baby zu tun haben) mit voller Aufmerksamkeit und Umsicht widmen konnte. Bis ich reflektieren konnte, was sich da die letzten Monate abgespielt hatte, bis ich wieder so richtig Luft holen konnte. Damit es nicht zu einem Missverständnis kommt: Mein Kind zu erleben, seine rasante Entwicklung zu beobachten, jeden Tag 100% für ihn zu geben und in die Mama Rolle hinein zu wachsen, das alles ist für mich das Schönste was ich je erlebt habe, und ich gehe voll und ganz darin auf ihm meine bedingungslose Liebe zu schenken.

Aber so langsam legt sich das Wasser um mich herum, es ist nicht mehr stürmisch und ich merke, es kommt die Zeit, wo ich wieder eigenständig aus den Wellen hervortreten kann. Und was finde ich dort vor? Meinen Sonnenschein, der dabei ist riesige Sandburgen zu bauen…

 

So, ich beiße jetzt ins Brot, freue mich über die kreative Pause die mein Kind mir geschenkt hat und wünsche Euch was!

Eure Steffi x

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